Emetophobie

Was ist Emetophobie?

Emetophobie ist immer noch ein Tabuthema unter den Ängsten. Dies macht es den Betroffenen mitunter sehr schwer sich jemandem anzuvertrauen oder sich professionelle Hilfe zu holen. Bei der Emetophobie handelt es sich um die Angst vor dem Erbrechen, besonders in der Öffentlichkeit. Menschen, die nicht mit dieser Thematik vertraut sind, können diese Angst häufig nicht nachvollziehen und reagieren irritiert wenn Betroffene ihre Befürchtungen mitteilen. 

Jedoch haben Menschen die unter einer Emetophobie leiden, einen sehr hohen Leidensdruck und sind in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Die ständige Angst vor der Übelkeit mit anschließendem Erbrechen kann sehr viel gedanklichen Raum einnehmen und sich bis zu einer Panikattacke steigern. Typisch ist auch ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten, welches mitunter zur bis zu einer sozialen Isolation führen kann.

 

Es geht um Kontrollverlust

Immer wieder stelle ich in Gesprächen mit Emetophobikern fest, dass es nicht ausschließlich um das Erbrechen an sich geht. Es geht um den völligen Kontrollverlust der in diesem Moment erlebt wird. Kontrolle bedeutet Sicherheit. Diese Sicherheit ist ein großes Bedürfnis von Menschen die unter dieser Angst leiden. Die Ursachen können ganz unterschiedlich sein und sollten am besten mit professioneller Unterstützung erarbeitet werden. Hinzu kommt, dass Emetophobiker häufig unter starker und andauernder Übelkeit leiden. Diese Übelkeit hat aber meist keine körperliche Ursache sondern ist lediglich einen Symptom der Angst. Die Gedanken von Menschen mit Emetophobie kreisen häufig um folgende Themen:

 

  • Was mache ich wenn mir übel wird? 
  • Wie komme ich dann am schnellsten weg? 
  • Wie peinlich, wenn alle sehen wie ich mich übergebe. 
  • Vielleicht sollte ich lieber nichts/ weniger essen. 
  • Wenn ich nichts esse, kann ich mich auch nicht übergeben. 

 

Emetophobie kann zu anderen psychischen Problemen führen

Dies sind nur ein paar der möglichen Gedanken die Emetophobiker beschäftigen können. Besonders der letzte Punkt sollte uns jedoch aufhorchen lassen. Durch die ausgeprägte Angst vor der Übelkeit und die daraus resultierende Vermeidung von Essen, kann dieses Verhalten langfristig zu einer Essstörung und Mangelernährung führen. Hinzu kommt, dass eine zu geringe Nahrungsaufnahme ebenfalls Übelkeit auslösen kann, welche die Angst vor dem Erbrechen natürlich weiter verstärkt. Ein Teufelskreis beginnt.

 

Vermeidung macht einsam und gibt Raum zum Grübeln 

Ein weiteres Symptom ist die Vermeidung der angstauslösenden Situationen. Dies möchte ich kurz an einem Beispiel erläutern.

Eine Verabredung mit Freunden zum Essen steht an. Im Vorfeld beginnt bei Emetophobikern eine genaue Planung und gedankliche Vorbereitung auf die bevorstehende Situation. Dies ist mit hohem emotionalem Stress verbunden. Die Angst vor der unbekannten Situation, vor einem Kontrollverlust und natürlich die Angst vor der Scham, sollte es wirklich zum Erbrechen kommen. 

 

Unser Körper befindet sich im Stress, was häufig mit intensiven körperlichen Symptomen einhergeht. Zittern, erhöhter Herzschlag, starke Anspannung und Übelkeit sind nur ein paar der möglichen Auswirkungen. Die Angst versucht uns zu suggerieren, dass wir in Gefahr sind und der einzige Ausweg scheint darin zu bestehen, die Situation zu vermeiden und zu Hause zu bleiben. 

 

Geben wir der Angst in diesem Moment nach und vermeiden die angstauslösende Situation, passiert folgendes: In dem Moment, in dem wir entscheiden, uns der Situation zu entziehen, empfinden wir umgehend ein Gefühl der Erleichterung. Die Anspannung nimmt ab, die körperlichen Symptome, darunter auch die Übelkeit, lassen nach und unser Belohnungssystem im Gehirn springt an. Das bedeutet, dass dieses Gefühl der Erleichterung von unserem Gehirn als positiv abgespeichert wird. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns bei der nächsten Konfrontation mit der Angst wieder für die Vermeidung entscheiden. Kurzfristig fühlen wir uns dadurch besser, aber langfristig kann dieses Verhalten zur sozialen Isolation führen.

 

Unterscheidung von Angst-Übelkeit und körperlicher Übelkeit

Wichtig ist, dass wir uns bewusst machen, dass Angst-Übelkeit in der Regel nicht zum erbrechen führt. Die Übelkeit ist häufig nur ein Symptom der Angst. Dies sollten wir lernen wahrzunehmen und angemessen einzuschätzen. Außerdem gibt es einige Unterschiede zwischen „Angst-Übelkeit“ und „körperlicher Übelkeit“ die ich kurz aufzeigen möchte.

 

Symptome der körperlichen Übelkeit 
  • Der Gedanke an unser Lieblingsessen löst Übelkeit aus 
  • Der Geruch von Essen löst Übelkeit aus 
  • Ablenkung/ Entspannung/ Atemübung hilft nicht gegen die Übelkeit
  • Körperliche Übelkeit wird meist nicht durch weitere Symptome wie Zittern, schneller Herzschlag u.a. begleitet

 

Symptome der Angst-Übelkeit
  • Durch Ablenkung lässt die Übelkeit nach, wenn auch nur für einen kurzen Moment
  • Angstübelkeit ist häufig begleitet durch andere typische Angst-Symptome wie Zittern, schneller Herzschlag, Mundtrockenheit u.a.
  • Die Übelkeit wird ausgelöst wenn jemand über Erbrechen spricht oder wir etwas über das Thema hören oder lesen
  • Wir können an unserem Essen riechen und verspüren keinen Brechreiz

 

Selbstverständlich haben nicht alle Emetophobiker die selben Sorgen in dem selben Ausmaß. Die Intensität und auch die auslösenden Situationen können sehr unterschiedlich sein.

Wenn wir bemerken, dass die Angst uns dazu bringt Dinge zu vermeiden und uns im Alltag stark einschränkt, sollten wir über eine professionelle Unterstützung nachdenken.

 

In meiner Praxis habe ich schon einige Klient/-innen mit Emetophobie betreut und weiterhelfen können. Die kognitive Verhaltenstherapie ist hier eine bewährte Methode um besser mit der Angst umgehen zu können. Primäres Ziel ist es zu erkennen, dass die Übelkeit ein Symptom der Angst ist und in der Regel nicht zum Erbrechen führt. Wir schauen gemeinsam, wo die Angst ihren Ursprung hat und erarbeiten neue angemessene Bewertungen der angstauslösenden Situationen. 

 

Eine Anleitung für eine Atemübung bei akuter Angst finden Sie hier. Eine Atemübung ist natürlich nicht die Lösung für eine Angstproblematik, aber sie kann in einer akuten Angstsituation eine große Hilfe sein. 

 

Sie haben noch Fragen oder möchten ein Termin für ein Erstgespräch vereinbaren? Nehmen Sie gerne Kontakt zu mir auf. Ich freue mich auf Ihre Nachricht.